Pressemitteilung

„Im schlimmsten Fall versagen die Bremsen“

Garchinger IT-Unternehmen deckt Qualitätsdefizite in Software auf – und kann so sogar Unfälle verhindern


Supermarkt, Bioladen, Apotheke, Optiker – die kennt jedes Kleinkind in Garching. Aber der Forschungscampus mit seinen mehr als 6000 Beschäftigten und rund 14.500 Studierenden, eines der größten Zentren für Wissenschaft, Forschung und Lehre in Deutschland, ist für viele Garchinger „Terra Incognita“, unbekanntes Land.

Ein kleines Fleckchen dieses unbekannten Landes besiedelt die CQSE GmbH. CQSE, das steht für Continuous Quality in Software Engineering, und das, was das Unternehmen macht, ist für das alltägliche Leben der Garchinger mindestens genauso essenziell wie Supermarkt, Bioladen, Apotheke und Optiker. „Wir stellen sicher, dass die Software, mit der unsere Kunden arbeiten, verständlich und wartbar bleibt“, sagt Dr. Martin Feilkas, einer der fünf Gesellschafter von CQSE. Klingt nicht besonders spektakulär, ist es aber. Ein konkretes Beispiel: „Heutzutage ist es ein digitales Signal, das vom Bremspedal an das Motorsteuerungsgerät im Auto gesendet wird und dafür sorgt, dass ein Wagen abgebremst wird. Ist die Software, die hinter diesem Vorgang steckt, fehlerhaft, versagen im schlimmsten Fall die Bremsen“, so Feilkas.

Das kann bei einem ganz neuen Softwaresystem passieren, aber häufig schleichen sich Fehler auch in althergebrachte, eigentlich bewährte Systeme ein. „Systeme werden bei Änderungen der Anforderungen nicht neu entwickelt, sondern kontinuierlich verändert und erweitert. Diese Evolution erstreckt sich über Jahrzehnte“, erklärt Gesellschafter Dr. Florian Deissenböck. Das Gefährliche: Schleichend leidet die Qualität. „Anschaulich kann man sich ein Programm mit 3 Millionen Zeilen Programmcode als ein Buch mit rund 50 000 Seiten, verteilt über 10 000 Kapitel vorstellen“, so Deissenböck. „Soll ein solches System verändert werden, muss ein Softwareingenieur möglichst zügig die richtige Stelle für die geplante Änderung in diesem Buch lokalisieren und bei den Änderungen berücksichtigen, dass auch andere Stellen des Buches angepasst werden müssen. Je mehr Abhängigkeiten es zwischen den einzelnen Kapiteln gibt, desto aufwändiger ist das und desto größer ist die Gefahr, dass er nötige Folgeänderungen übersieht.“

Damit genau das nicht passiert, engagieren Kunden wie BMW, Audi, die Munich Re, die Stadtwerke München oder die Versicherungskammer Bayern die CQSE GmbH. „Die Systeme, die wir analysieren, reichen von betrieblichen Informationssystemen bis hin zu eingebetteter Software in Autos, Flugzeugen oder Geldautomaten“, sagt CQSE-Gesellschafter Dr. Benjamin Hummel. Mit dem Qualitätsanalyse-Werkzeug „Teamscale“ entwickelten die Garchinger Jung-Unternehmer das weltweit erste Code-Qualitätsanalysewerkzeug, das Entwicklern unmittelbares und individuelles Feedback gibt. Hummel und seine Kollegen präsentieren das Unternehmen, das 2009 als Spin-Off des Lehrstuhls für Software und Systems Engineering der TU München gegründet wurde, in den nächsten Tagen auch auf der Fachmesse „Embedded World“ in Nürnberg.